Weidegang und Rinderhaltung auf Grünland
Weidegang ist eine der ältesten Formen der Grünlandnutzung und prägt in Deutschland Landschaftsbilder und Ökosystemleistungen von Wiesen und Weiden. Gleichzeitig hängt die ökologische Wirkung von Weidegang stark von der Bewirtschaftungsintensität ab.
Besatzdichte: zentrale Steuerungsgröße
Die Besatzdichte gibt an, wie viele Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar gehalten werden. Eine GVE entspricht einem ausgewachsenen Rind mit 500 kg Lebendgewicht. Die Auswirkungen auf den Grünlandbestand sind stark von der Besatzdichte abhängig:
- Unterbeweidung: Verfilzung des Grasbewuchses, Rückgang lichtbedürftiger Kräuter, Verbrachung
- Angepasste Beweidung: Strukturreiche Vegetation, Mosaikcharakter, hohe Artenvielfalt
- Überbeweidung: Bodenverdichtung, Narbenschäden, Artenverarmung, Erosion an Trittstellen
Für extensiv beweidetes Grünland werden in Agrarumweltprogrammen häufig Obergrenzen von 1,4–2,0 GVE/Hektar festgelegt.
Weideverfahren
Standweide
Bei der Standweide bleiben die Tiere die gesamte Vegetationsperiode auf einer Fläche. Dieses Verfahren ist einfach, führt aber häufig zu ungleichmäßigem Verbiss und selektiver Weidung. Bevorzugte Stellen werden überweidet, gemiedene Bereiche verbuschen.
Umtriebsweide (Koppelweide)
Bei der Umtriebsweide werden mehrere Koppeln wechselweise beweidet. Die Ruhezeit zwischen zwei Beweidungszyklen erlaubt der Vegetation, sich zu regenerieren. Das Verfahren ist für den Grünlanderhalt günstiger als die Standweide und ermöglicht gleichmäßigere Narbenpflege.
Hütehaltung
Die Hütehaltung – gelenkte Weide durch einen Schäfer oder Hirten – war historisch weit verbreitet und ist für die Bewirtschaftung von Magerrasen und unzugänglichen Hanglagen besonders geeignet. Sie ist arbeitsintensiv, bewirkt aber präzise Wirkung auf die Vegetation und kann Narbenschäden minimieren.
Auswirkungen auf den Boden
Tritt durch Huftiere verdichtet den Boden, insbesondere in feuchten Phasen. Verdichtete Böden haben geringere Wasseraufnahmekapazität, was zu oberflächlichem Abfluss und Erosion führen kann. Besonders empfindlich sind nasse Stellen, Gewässerufer und Hangbereiche.
Gegenmaßnahmen:
- Uferstreifen von Weidegang ausnehmen oder begrenzen
- Tränken nicht direkt an Gewässern anlegen
- Weidebeginn erst nach Abtrocknung der Fläche
- Beweidungsdauer auf stark vernässten Flächen begrenzen
Weidegang und Biodiversität
Extensiver Weidegang kann die Pflanzenvielfalt erhöhen, wenn Besatzdichte und Weidezeitpunkt gut abgestimmt sind. Durch selektiven Verbiss entstehen heterogene Vegetationsstrukturen, die vielen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen. Beweidung durch unterschiedliche Tierarten (Rinder und Schafe kombiniert) erhöht die Wirkungsbreite.
Weideprojekte im Rahmen der Renaturierung (z. B. Ganzjahresbeweidung durch Rassen wie Heckrinder oder Konikpferde in Großschutzgebieten) nutzen die naturgestaltende Kraft des Weideviehs für den Wiederaufbau naturnaher Landschaften.
Fördermöglichkeiten
Extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen mit Weidegang können über Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) der Bundesländer gefördert werden. Auch im Rahmen der Ökoregelungen der GAP gibt es Anreize für extensive Grünlandbewirtschaftung. Informationen dazu bieten die zuständigen Landesämter für Landwirtschaft.