Wiesen-Mahd – Grundlagen, Zeitpunkt und Artenschutz
Die Mahd ist die älteste Form der Grünlandbewirtschaftung. Durch regelmäßiges Mähen und Abtransportieren des Mähguts werden die Wiesen nährstoffarm gehalten und eine artenreiche Vegetation gefördert. Wie die Mahd durchgeführt wird, hat entscheidenden Einfluss auf Artenvielfalt und Bodenzustand.
Wiesentypen und ihre Mahdanforderungen
Artenreiche Magerwiesen
Magerwiesen (Kalkmagerrasen, Sandmagerrasen, Bergwiesen) sind auf extensive Bewirtschaftung angewiesen. Sie werden typischerweise einmal jährlich gemäht, der Mahdtermin liegt nach der Samenreife der charakteristischen Wiesenpflanzen – in der Regel nicht vor Mitte Juli. Das Mähgut wird vollständig abtransportiert, um den Nährstoffeintrag zu minimieren.
Fettwiesen
Fettwiesen (Frischwiesen des Wirtschaftsgrünlandes) werden intensiver bewirtschaftet: zwei bis vier Schnitte pro Jahr sind üblich. Der erste Schnitt fällt häufig schon im Mai. Artenvielfalt und Nährstoffgehalt stehen dabei in einem Wechselverhältnis.
Nasswiesen
Nasswiesen (Feuchtwiesen, Streuwiesen) erfordern besondere Rücksicht auf ihren Boden. Schwere Maschinen können bei Nässe den Boden verdichten und Entwässerungsgräben beschädigen. Häufig wird hier eine Herbstmahd durchgeführt, in manchen Regionen auch im Frühjahr.
Mahdtermin und Artenschutz
Der Mahdtermin hat direkte Auswirkungen auf die Fauna. Brütende Wiesenvögel wie Kiebitz, Bekassine und Wiesenpieper sind gefährdet, wenn die Mahd vor dem Flüggewerden der Jungvögel erfolgt. Bodennistende Insekten wie Feldgrillen können durch Mahdgeräte verletzt werden.
Empfehlungen der Naturschutzorganisationen:
- Erste Mahd nicht vor Ende Mai für konventionelle Wiesen
- Für Naturschutzwiesen: erste Mahd nicht vor Mitte bis Ende Juni
- Randstreifen und Refugialbereiche aussparen oder zeitversetzt mähen
- Mahd von innen nach außen oder von einer Seite, damit Tiere flüchten können
- Mähgeschwindigkeit reduzieren
Mähgeräte und ihre Auswirkungen
Kreiselmäher
Kreiselmäher sind im modernen Wirtschaftsgrünland weit verbreitet. Sie arbeiten schnell, sind aber für Kleintiere riskant. Moderne Kreiselmäher können mit Wildtierschutzeinrichtungen (akustische oder optische Scheuchen) kombiniert werden.
Balkenmäher
Balkenmäher sind tierverträglicher, da ihre Klingen weniger Rotationsenergie erzeugen. Sie sind langsamer und für kleinere oder unebene Flächen geeignet. Für Naturschutzflächen sind Balkenmäher die bevorzugte Wahl.
Schlegelmäher
Schlegelmäher zerkleinern das Mähgut am Ort. Das ist für Naturschutzwiesen kontraproduktiv, da Nährstoffe auf der Fläche verbleiben und Kleintiere mechanisch verletzt werden. Auf Naturschutzflächen sind Schlegelmäher in der Regel ungeeignet.
Mähgutverwertung
Auf Naturschutzflächen wird das Mähgut nach Abtrocknen abtransportiert. Möglichkeiten der Verwertung:
- Heugewinnung für Tierfütterung
- Biogasanlage (weniger günstig für den Naturschutz, wenn Biomassedichte maximiert wird)
- Mähgutübertragung auf artenarme Flächen zur Renaturierung (Spenderfläche)
Rechtliche Rahmenbedingungen
Mahdtermine auf bestimmten Grünlandflächen können durch Agrarumweltprogramme der Bundesländer, durch Naturschutzgebietsverordnungen oder durch Vertragsnaturschutz geregelt sein. Bewirtschaftende sollten die für ihre Flächen geltenden Auflagen kennen, bevor sie mit der Mahd beginnen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und die Landeslandwirtschaftsämter bieten entsprechende Informationen.